FILMSAMSTAG

Filmsamstag am 23. September 2006

Babylon Mitte, 18.00 Uhr


Super 8 Filme von Carolyn Krüger und Milena Gierke

Bodenkunde Carolyn Krüger 1989 S8 Farbe 20 min
Windows Milena Gierke 1995 S8 Farbe 3 min
Wigstock Milena Gierke 1995 S8 s/w 6 min
Beware of Jet Blast, Props and Rotors
Milena Gierke 1995 S8 s/w 3 min
Chicago Carolyn Krüger 1987 S8 Farbe 34 min

Carolyn Krüger ist am 23. September unser Gast.

Carolyn Krüger hat Mitte der 80er Jahre bei Peter Kubelka in Frankfurt Experimentalfilm studiert. Als eine der ersten unter den Kubelka–Schülern arbeitete sie ausschließlich mit Super 8 Film. Schwerpunkt ihrer Arbeit waren Filme, die allein bei der Aufnahme und ohne nachträgliche Montage, in einem „Kameraschnitt“ genannten Verfahren entstehen. Dadurch war es ihr möglich, sich ganz dem visuellen Bild hinzugeben und es mal eher rhythmisch abstrakt, mal eher visuell inhaltlich zu komponieren.

Carolyn Krüger: „Die Aufteilung von Filmsequenzen in kleinste Einheiten legt eine Analogie zur Musik nahe, die sich ja aus einzelnen Takteinheiten aufbaut.“
Zum großen Teil bestehen die Filme aus Einzelbildsequenzen, die zueinander auf unterschiedlichste Art in Bezug stehen. Die Bildfolgen sind so schnell, dass einzelne Bilder nicht mehr Bild für Bild wahrgenom-
men werden, sondern sich im Gehirn des Zuschauers vermischen. Die Filmmontage erfolgt im Kopf des Betrachters selbst. Je nach Interesse, Präferenzen und Assoziationen können sehr unterschiedliche Filme erlebt werden, zumal auch keine eindeutige Handlung vorgegeben ist. Grundthema sind Beobachtungen in Großstädten. Es entstanden drei Filme: Düsseldorf (1985/86), Chicago (1986/87) und die 1989 hauptsächlich in Frankfurt entstandene Arbeit Bodenkunde.

Ich zeige in diesem Programm Chicago, einen sehr selten in dieser Art zu sehenden Städtefilm, der auf den Zuschauer fast wie eine abstrakte Reihe von Traumfetzen wirken kann; und Bodenkunde, bei dem es sich um eine tatsächliche visuelle Auseinandersetzung mit dem Boden bzw. Bürgersteig handelt, die Krüger ohne Ton und nur mit filmischen Mittel rhythmisch-musikalisch geführt hat. C.K.: „Als Ergebnis ist eine Vielzahl dieser Steine zu sehen, deren Muster sich nicht auf dem Gehweg der Reihe nach bildet, sondern erst im Zeitablauf auf der Leinwand ergibt. Das in der Natur statische Betongestein wird hierbei lebhaft und führt Bewegungen vor, die nur im experimentellen Film sichtbar werden können, nicht aber in der alltäglichen Gehwegwelt.“

Dazu präsentiere ich ein paar meiner eigenen kurzen New York-Filme aus den Neunzigerjahren: ebenfalls in Super 8, ohne Ton, und in der Kamera geschnitten; Blicke, Menschenbeobachtungen und eine Atmosphäre der Leichtigkeit, die es in dieser Stadt so vielleicht nicht mehr gibt.

Milena Gierke