FILMSAMSTAG

Filmsamstag am 9. August 2003

Filmkunsthaus Babylon 19 Uhr


A IDADE DA TERRA (Das Alter der Erde) Glauber Rocha
Brasilien 1980 35' 158 min

In Glauber Rocha, dem wichtigsten Exponenten des brasilianischen Cinema Nôvo der 60er Jahre, lebte etwas von der 'zivilisierten Wildheit' seines Landes – seine Filme drücken das ganz direkt (und surreal überhöht) aus.
Seit der Politisierung durch seinen ersten Spielfilm, Barravento (1961), hat Rocha immer auch den mystischen 'Unterströmungen' in diesem Völkergemisch Brasiliens Gehör verschafft. Aber Ende der 70er Jahre, als Rocha seinen letzten und wildesten Film, Das Alter der Erde drehte, war er bereits halb in Vergessenheit geraten und wurde, wie Serge Daney in seinem Nachruf sagte, zugleich als 'genial' und 'genant' angesehen.
(Rocha, wegen der Militärdiktatur zum Teil im Exil lebend, ist 1981, 43jährig, gestorben.) Daney nennt Das Alter der Erde einen halluzinierten Film – einen Film wie ein Sturzbach.
Rocha träumte noch den Traum der Trikontinentale, des 'anderen Kino' – abseits von Hollywood und Pentagon. Es gibt bei ihm eine Auseinandersetzung mit Pasolini: PPP habe das Subversive der Perversion geopfert, ihm habe der Ödipus-Christ vorgeschwebt, während es doch um den schwarzen und nackten Christus gegangen sei.
Daney, 1981: "Er hat Verwirrung gestiftet, ist erfinderisch gewesen, hat schockiert und enttäuscht. In nichts hat er von seinem Begehren abgelassen. Hartnäckig hat er immer wieder die, wie ich fürchte, obsolete Frage gestellt: was könnte das für ein Kino sein, das den USA nichts schuldet. Vielleicht war das zu viel verlangt. Aber wer gibt ihm Antwort?"
("Ciné Journal", Vol.1/1981-1982, Paris 1998, p. 59/60)

"Für ein Kunstwerk gibt es
keine Erklärung. Ein Gedicht
erfühlt man. Ein Bild sieht man.
Ein Film, den man erklären kann,
ist ein Film, der eine Geschichte
erzählt. Ich wäre ein Scharlatan,
würde ich den Film ( das Alter
der Erde ) zu erklären versuchen;
ist er doch ein neuer Körper, ein
unbekanntes Objekt. Es handelt
sich dabei um eine neue Vision,
um metaphysische Wahrnehmungen,
die eine Revolution in meinem
Werk markieren." Glauber Rocha